Nichts tun – warum uns das so schwer fällt
Wann hast du das letzte Mal einfach nur dagesessen und Löcher in die Luft gestarrt?
Kein Handy. Keine Mail. Keine Spülmaschine ausräumen. Einfach nur sitzen. Aus dem Fenster schauen. Nichts leisten.
Gar nicht so leicht, oder?
Kaum entsteht eine kleine Lücke im Alltag, greifen viele von uns zum Handy, beantworten noch schnell eine Nachricht oder finden etwas, das unbedingt erledigt werden muss.
Doch warum fällt uns Nichtstun eigentlich so schwer?
Wir haben Nichtstun nicht gelernt
Viele von uns sind mit Sätzen groß geworden wie:
„Sitz nicht so faul herum.“
„Mach dich nützlich.“
„Von nichts kommt nichts.“
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
Irgendwann werden solche Sätze zu einer inneren Stimme:
Du könntest die Zeit doch sinnvoller nutzen.
Vielleicht haben wir also gar nicht grundsätzlich zu wenig Zeit zum Nichtstun. Vielleicht geben wir uns innerlich einfach keine Erlaubnis dafür.
„Ich darf erst ruhen, wenn alles erledigt ist“
Das Problem ist nur: Es ist nie alles erledigt.
Irgendwo wartet immer noch Wäsche, eine Mail oder eine To-do-Liste.
Dahinter können Überzeugungen stecken wie:
Pause muss man sich verdienen.
Wenn ich nichts tue, bin ich faul.
Ich muss produktiv sein, um wertvoll zu sein.
Und plötzlich fühlt sich freie Zeit nicht mehr wie Freiheit an, sondern wie eine Lücke, die möglichst schnell gefüllt werden muss.
Was passiert, wenn plötzlich nichts mehr passiert?
Was passiert in dir, wenn du zehn Minuten nichts tust?
Wirst du ruhig? Oder unruhig?
Denn manchmal beschäftigen wir uns nicht, weil etwas wirklich dringend ist, sondern weil Stille ungewohnt ist.
Das Handy beschäftigt unseren Kopf. Der Haushalt beschäftigt unsere Hände. Und beides kann verhindern, dass wir wahrnehmen, was gerade eigentlich in uns los ist.
Ohne Ablenkung tauchen plötzlich Gedanken auf. Müdigkeit. Wünsche. Sehnsüchte. Vielleicht auch Fragen wie:
Wie geht es mir eigentlich?
Was brauche ich gerade?
Was will ich in dieser Lebensphase noch?
Gerade in der Lebensmitte können solche Fragen lauter werden. Rollen verändern sich, Kinder werden selbstständiger, berufliche Anforderungen verschieben sich und manchmal wird neu bewertet, was im eigenen Leben eigentlich wichtig ist.
Vielleicht ist Nichtstun deshalb gar nicht so leer.
Vielleicht ist es ziemlich voll – nur eben nicht mit Aufgaben.
Wenn wir nichts tun, passiert trotzdem etwas
Auch wenn wir äußerlich nichts tun, ist unser Gehirn keineswegs „aus“.
Das sogenannte Default Mode Network ist besonders aktiv, wenn unsere Gedanken nach innen wandern, wir uns erinnern, reflektieren oder einfach abschweifen.
Oder anders gesagt:
Wenn wir Löcher in die Luft starren, passiert nicht nichts. Vielleicht sortiert sich gerade etwas in uns.
Und vielleicht finden sich plötzlich Sätze wie:
Ich muss meine Pause nicht verdienen.
Nicht jede Minute meines Lebens muss effizient genutzt werden.
Ich darf einfach sein.
Vielleicht entsteht genau dort, zwischen all den Aufgaben und Erwartungen, etwas, das im Alltag leicht verloren geht: Ein kleines bisschen Freiheit.
Folge uns auf Spotify oder Apple Podcasts – und sag uns bitte, was du denkst! Wir freuen uns über Kommentare, den Austausch mit dir und natürlich auch über ein paar Sterne.
